Wort zum Alltag


Da hat es BUMM gemacht in Österreich. Was ist passiert? Der Haider ist tot!
Als ich diesen Satz gestern gerufen habe, da konnte ich es selbst nicht glauben. Den Haider gab es schon immer, seit ich denken kann. In der Pubertät war man auf den Anti-FPÖ-Demos, die eigentlich Anti-Haider-Demos waren. Und seit man ein politisches Gewissen hat, hat man sich an ihm gerieben und jetzt ist er einfach tot. Und man muss die Nachrufe über sich ergehen lassen: Ja, ja, ein böser Bube war er schon, AAAAAAAAAAber, natürlich, aber ein Könner war er auch. Gähn und kotz.

Feridan Zaimoglu sagt heute im Standard-Interview, das natürlich vor Haiders Tod geführt wurde: „Bislang haben sich die Rechtsnationalen immer selber zerlegt…“. Sprachs und bekam Recht.

Es hatte ja so kommen müssen und trotzdem, irgendwie will man es nicht glauben. Wilhelm Molterer verkündet heute das Ende der Regierungskoalition in Österreich. Gesundheitsreform geplatzt, Koalitionspartner in der Krise, vor der Welt und der EU blamiert. Das schon. Aber, wie schon Präsident Fischer versucht hat, den Akteuren dieses Kasperltheaters, das sich österreichische Regierung nennt, klarzumachen: Eine Regierung ist zum regieren da – und nicht, um sich immer wieder aufzulösen. Offenbar kann es aber die ÖVP nicht anders. Klar, wenn man ganz alleine die Macht hätte dann, ja dann… Neuer Wahlkampf, neues Glück. Vielleicht kann man sie ja diesmal an sich reißen, die Alleinherrschaft. Molterer als Neuauflage von Schüssel. Die kleinen Giftzwerge herrschen über das kleine Land. Nichteinmal jetzt, wo die SPÖ und Gusenbauer alles, aber auch alles, was sie angepackt haben, falsch gemacht haben, scheint das wahrscheinlich. Profitieren werden stattdessen wiedermal die Neo-Austrofaschisten unter Straches Führung. Wie tragisch das für ein Land ist, lässt sich ermessen, wenn man sich den Wahlkampf von 2006 in Erinnerung ruft: Straches Rap hat damals das ganze Ausmaß der politischen Unkultur, die hierzulande herrscht, offenbart. Das war und ist niedrigstes Niveau. Ein Verhalten, das jedem Politiker in jedem anderen Land das Genick brechen würde – und zwar ganz einfach weil es so peinlich ist.

Auf solche und vermutlich schlimmere Peinlichkeiten können wir uns nun wieder einstellen. Es gibt wieder Wahlkampf, denn etwas anderes können die österreichischen Parteien nicht. Schon heute hat die ÖVP angefangen, ihre Themen zu verkünden, ganz so, als wäre sie nie in dieser Regierung, die noch bis vor ein paar Stunden bestanden hatte, gewesen. Ich fühle mich stark erinnert an Österreichs Lieblingsclown, der nach jedem Auftritt schrie: „Ich komme wieder.“ Von ihm müssen die großen Parteien ihre Taktik haben: wir bilden Regierungen, egal, ob wir mehrheitlich gewählt wurden oder nicht, führen unser drittklassiges Theater auf, beenden die Regierungen, machen Neuwahlen und – kommen wieder. Immer wieder. Rot, Schwarz, Blau – ein Karussel der Unsinnigkeiten und Tatenlosigkeit.

Dass dieses Land in der Welt und der Europäischen Gemeinschaft noch ernst genommen wird kann nur einen Grund haben: Keiner schaut sich das Kasperltheater an. Nur wir Österreicher sind an unsere Stühle gekettet, erste Reihe fußfrei und haben die Wahl zwischen Stumpfsinn und Scham.

Am 4. November 2008 hätte Hillary der amerikanischen Women’s Liberation die Krone aufsetzen können. Die seit jeher etablierte Macht-Ästhetik wäre ein für allemal durchbrochen gewesen. Die Herrschaft der schwarzen Anzüge und Seidenkrawatten zumindest angekratzt. Millionen von Frauen und Mädchen hätten auf den Bildschirmen in aller Welt gesehen, dass es für sie keine Grenzen mehr gibt.
Doch das Rennen ist gelaufen. Seit gestern steht fest, dass nicht Hillary Clinton, die Favoritin, der Profi, für die Demokraten um den vakanten Posten eines amerikanischen Präsidenten kämpfen wird, sondern ihr Konkurrent, der Newcomer Barack Obama. Neben aller Strategieanalyse drängt sich jetzt eine entscheidende Frage auf: Ist Hillarys Niederlage auch eine Niederlage der Emanzipation? Natürlich spielen viele Faktoren zusammen, natürlich ist Obama charismatisch und hat Clintons Wahlkampfteam Fehler gemacht, doch all das versperrt den Blick auf’s Prinzipielle: eine Frau stößt sich wiedermal an einer unsichtbaren Glasdecke. Diesmal ist es die höchste der Welt.
Barack Obama hat mit seinem Wahlspruch „Yes we can“ die Massen verzaubert und versprochen, was seine Gegnerin hätte halten können: „Change“. Denn allein die Tatsache, dass eine Frau der mächtigste Mann der Welt geworden wäre, wäre eine historische Veränderung gewesen. Jeder hat das gewusst und man muss es Hillary Clinton zugutehalten, dass sie ihren Wahlkampf nicht darauf aufgebaut hat. Dasselbe lässt sich über Obama sagen, der die vielbeschworene „Rassenkarte“ wahrlich nicht aktiv ausspielt. Doch es ist nun einmal so, dass Obama immer noch ähnlicher aussieht, wie jeder bisherige Präsident der Vereinigten Staaten, als Hillary Clinton es tut. In dieser Hinsicht scheinen die Amerikaner nicht auf den „Change“ erpicht zu sein, den Obama unermüdlich aber auch wenig konkret beschwört. Dabei wird gerade er, der Aufsteiger, auf bestehende Strukturen und das heißt nunmal auf die Männerbünde besonders angewiesen sein.
Hillary mag der obersten Hürde, der dicksten aller Glasdecken und der gleichzeitig symbolischsten 18 Millionen Risse versetzt haben, aber durchbrochen hat sie sie nicht. Genau daran krankt unser postfeministisches Zeitalter: die jüngeren Frauen haben das Gefühl, dass ohnehin alles erreicht sei. Aber das ist es nicht, oder zumindest nur theoretisch. Doch dass das theoretisch Mögliche nie passiert, scheint keinem aufzufallen. Hillary Clinton hätte den historischen Schritt von diesem theoretischen Feminismus nach dem laxen Motto „Wir könnten ja, wenn wir wollten“ hin zur gelebten Gleichberechtigung gehen können, indem sie das Recht auf das Amt des mächtigsten Mannes der Welt eingefordert hätte. Ein Mann hat das verhindert – wieder einmal. Der jüngere, charismatischere, gut aussehende, dem die Frauenherzen zufliegen, während bei der toughen Mrs. Clinton höchstens die Männerknie zittern. Und schließlich konnte man ja auch nicht nur für sie wählen, weil sie eine Frau ist. Dabei hätte man das gar nicht gemusst. Noch zu Beginn des Wahlkampfs stand die Qualifikation der Senatorin außer Frage. Doch um nur nicht in den Ruch eines Frauen-Bonusses zu geraten, hat sich Hillary Clinton in ihren Reden vor der Frauenfrage versteckt, nur um schließlich doch an ihr zu scheitern.
Erst in der Rede, in der sie ihre Niederlage eingestand, hat sie es wieder gewagt, ihren Kampf als den aller Frauen darzustellen, aber da war es schon zu spät.

Vor Beginn dieser Reise hätte ich niemals gedacht, dass ich mich nach zwei Monaten nicht auf den Heimflug freuen würde. Aber nach all den wunderschönen Erlebnissen und dank der herrlich legeren und unaufgeregten Lebensart der Mexikaner war es so. Schon drei Tage vor der Abreise konnte ich mich gegen ein mulmiges Gefühl im Bauch und zeitweilige schlechte Laune nicht erwehren.
An alle, die in diesem Blog unsere Reise mitverfolgt haben und auch traurig sind, dass sie zu Ende ist, möchte ich an dieser Stelle ein Dankeschön schicken und das Versprechen abgeben, dass wir nicht zum letzten Mal in Mexiko waren!

Wem die Bilder im Blog besonders gefallen haben, der sei nocheinmal auf die Webseite des Fotografen verwiesen, der Land und Leuten so liebevoll mit seiner Kamera „die Seele geraubt“ hat:

www.johannesplattner.com