windupbirdEs gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die haben nichts mit unserer täglichen Arbeit, unserem Broterwerb oder unserer Stellung in der Gesellschaft zu tun. Das ist die eine klare Botschaft, die wir Murakamis herrlich unaufdringlichem Roman entnehmen können.

Rette sich, wer kann

Wenn du dein innerstes Selbst, man könnte es Seele nennen, retten willst, dann schmeiß erstmal alles hin, was nur Hülle ist: deinen Job, deine Anzüge. Zieh dir Turnschuhe an und erforsche in einem Brunnen die Tiefen der Welt. Genau das macht Murakamis Hauptfigur und jeder der sie begleitet, will es ihr nachmachen. Plötzlich ist das Leben offen für alles und nichts ist mehr banal. Nicht die Frühstückseier und nicht die Ehe.

Wahrheit statt Stumpfsinn

Nur indem Toru Okada alles aufgibt, was wir unter einem normalen Leben verstehen, indem er jegliche Angepasstheit an die Gesellschaft abstreift wie seine Anzüge, kann er die Wirklichkeit, das wahre Leben entdecken. Er dringt vor in eine andere Wirklichkeit, sei es eine höhere Bewusstseinsebene, sei es die Unterwelt, sei es die Fratze hinter der schlecht bemalten Kulisse unserer lächerlichen Welt – diese Frage beantwortet das Buch nicht. Es beantwortet viele Fragen nicht, aber es zeigt, wie einer, der das Ungewöhnliche wagt, sich selbst und seine Frau vor etwas „Bösem“ rettet. Dieses Böse verkörpert  Noboru Wataya in der vermeintlichen Realität, der Schwager von Toru.

Alles hängt zusammen

Wie Noboru Wataya besiegt wird, was all das mit der Ouverture zu Rossinis „Die diebische Elster“, mit Malta, mit dem japanischen Marionettenstaat Manchurei und mit einem Brunnen zu tun hat, das kann nur ahnen, wer das Buch liest. Wissen kann er es nicht. Nur so viel ist klar: Alles, wirklich alles, hängt zusammen.

Ein Buch, das soetwas schafft, macht Gänsehaut!