Es hatte ja so kommen müssen und trotzdem, irgendwie will man es nicht glauben. Wilhelm Molterer verkündet heute das Ende der Regierungskoalition in Österreich. Gesundheitsreform geplatzt, Koalitionspartner in der Krise, vor der Welt und der EU blamiert. Das schon. Aber, wie schon Präsident Fischer versucht hat, den Akteuren dieses Kasperltheaters, das sich österreichische Regierung nennt, klarzumachen: Eine Regierung ist zum regieren da – und nicht, um sich immer wieder aufzulösen. Offenbar kann es aber die ÖVP nicht anders. Klar, wenn man ganz alleine die Macht hätte dann, ja dann… Neuer Wahlkampf, neues Glück. Vielleicht kann man sie ja diesmal an sich reißen, die Alleinherrschaft. Molterer als Neuauflage von Schüssel. Die kleinen Giftzwerge herrschen über das kleine Land. Nichteinmal jetzt, wo die SPÖ und Gusenbauer alles, aber auch alles, was sie angepackt haben, falsch gemacht haben, scheint das wahrscheinlich. Profitieren werden stattdessen wiedermal die Neo-Austrofaschisten unter Straches Führung. Wie tragisch das für ein Land ist, lässt sich ermessen, wenn man sich den Wahlkampf von 2006 in Erinnerung ruft: Straches Rap hat damals das ganze Ausmaß der politischen Unkultur, die hierzulande herrscht, offenbart. Das war und ist niedrigstes Niveau. Ein Verhalten, das jedem Politiker in jedem anderen Land das Genick brechen würde – und zwar ganz einfach weil es so peinlich ist.
Auf solche und vermutlich schlimmere Peinlichkeiten können wir uns nun wieder einstellen. Es gibt wieder Wahlkampf, denn etwas anderes können die österreichischen Parteien nicht. Schon heute hat die ÖVP angefangen, ihre Themen zu verkünden, ganz so, als wäre sie nie in dieser Regierung, die noch bis vor ein paar Stunden bestanden hatte, gewesen. Ich fühle mich stark erinnert an Österreichs Lieblingsclown, der nach jedem Auftritt schrie: “Ich komme wieder.” Von ihm müssen die großen Parteien ihre Taktik haben: wir bilden Regierungen, egal, ob wir mehrheitlich gewählt wurden oder nicht, führen unser drittklassiges Theater auf, beenden die Regierungen, machen Neuwahlen und – kommen wieder. Immer wieder. Rot, Schwarz, Blau – ein Karussel der Unsinnigkeiten und Tatenlosigkeit.
Dass dieses Land in der Welt und der Europäischen Gemeinschaft noch ernst genommen wird kann nur einen Grund haben: Keiner schaut sich das Kasperltheater an. Nur wir Österreicher sind an unsere Stühle gekettet, erste Reihe fußfrei und haben die Wahl zwischen Stumpfsinn und Scham.