Villahermosa, das heisst uebersetzt so viel wie „schoenes Staedtchen“ und entpuppt sich bei unserer Ankunft als das genaue Gegenteil. Es ist gross, laut, modern, haesslich. Nach dem kolonialen Chic der Hafenstadt Campeche ein ziemlicher Schock. Doch es gibt einen guten Grund, warum wir gerade hierher gekommen sind. Villhahermosa beherbergt inmitten seiner vielspurigen Strassen eine Perle: den Parque La Venta. Die Muschel, in welcher diese Perle ruht, wird geformt von der Laguna de ilusiones und dem groesseren Parque Tomas Garrido Canabal.
La Venta, das ist der Name der bedeutsamsten Olmekensiedlung. Sie wurde in den 50er Jahren westlich von Villahermosa im Urwald von Tabasco entdeckt und ihre wichtigsten und schoensten Stuecke in die Stadt gebracht, um sie hier zu erhalten und auszustellen. Um diese Ausstellung so authentisch wie moeglich werden zu lassen, hat man die kolossalen Steinkoepfe, Basaltsaeulen und Altaere in einem eigens angelegten Urwaldpark untergebracht. Hier leben Termiten, Nasenbaeren, Krokodile und sogar Jaguare, diese allerdings nur im Kaefig.
Wenn man durch den Park spaziert und Stueck fuer Stueck die Zeugen der olmekischen Bildhauerkunst entdeckt, kann man kaum glauben, dass die Olmeken die erste zivilisierte Gesellschaft Mesoamerikas waren. Seit ca. 1800 v. Chr. lebten sie in Staedten, kennen seit etwa 1500 v. Chr. ein Schriftsystem und verliessen schliesslich ihr kulturelles, religioeses und Verwaltungszentrum La Venta schon um 400 v. Chr. Dennoch sind die Gesichter und Skulpturen, die wir hier sehen nicht nur mit die best erhaltenen, sondern auch kunstfertigsten, die wir bis jetzt besichtigt haben. Auf bis zu 20 Tonnen schweren Bloecken Vulkangesteins wurden Gesichter geschaffen, die den Betrachter aufmerksam und streng anzublicken scheinen, mit grossen Augen, breiten Nasen und wulstigen Lippen. So haben sich auch der Bluete wie dem Untergang ihrer Kultur mit stoischem Ausdruck zugeschaut.

Die Altaere von La Venta sind gepraegt von sitzenden Figuren, die aus einer Oeffnung oder Hoehle zu krabbeln scheinen und oft ein Kind in den Armen halten. Alles wirkt so lebendig; die Ornamentik ist klar, von Jaguarsymbolik dominiert und erscheint fast modern. Zum ersten Mal auf unserer Reise habe ich beim Betrachten antiker Skulpturen das Gefuehl, dass sich mir ihre Bedeutung ganz intuitiv erschliesst.
Ein weiteres Highlight, das der Parque La Venta uebrigens zu bieten hat, ist der Zoo in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museums-Gelaende. Seine Hauptattraktion ist neben den abseits gehaltenen Tukanen und plaudernden kleinen Papageien, eine riesige begehbare Volière, die die vom Aussterben bedrohten, grossen roten und gruenen Aras beherbergt, einen Pfau, einen Pelikan, bunte Finken, kleine Papageien und einiges mehr. Die Tiere koennen sich frei bewegen und sind alles andere als scheu. Das ermoeglicht Begegnungen einzigartiger Natur.

April 15, 2008 at 11:07
Hallo Steffi,
hallo Johnny,
im immer noch bzw. schon wieder (?) verschneiten Tirol beneiden wir Euch gewaltig um den Trip durch Mexico. Vielen Dank auch fuer die staendig neuen Fotos und Berichte!
Mein ganzes Wissen ueber die Olmeken habe ich bislang nur von der Seite http://www.olmeca.at bezogen. Dort ist allerdings auch eine nette Begebenheit beschrieben: Eine olmekische Gottheit unbekannten Namens und Geschlechts soll einmal den Nektar der Blauen Agave probiert haben. Er hat ihr so gut geschmeckt, dass sie den Nektar auf ewige Zeiten fuer sich alleine behalten wollte.
Welchen gluecklichen Umstaenden wir es zu verdanken haben, dass es diesen Nektar (Tequila) heute flaschenweise in jedem Billa gibt, wird nicht naeher beschrieben. Es begruendet aber zumindest die Vermutung, dass die Olmeken ihre Gottheiten schlecht gecastet haben.
Liebe Gruesse
Flo
April 15, 2008 at 6:48
die olmeken scheinen es dir ja richtig angetan zu haben! wusste nicht, dass sie schon so früh protourbane bzw. stadtähnliche siedlungen hatten. irgendwie ist die entwicklung in süd- und mittelamerika schon einen etwas anderen weg gegangen, da sind sich europa und asien (im groben) schon viel ähnlicher. der zumindest indirekt mögliche kontakt scheint einen größeren unterschied zu machen als ich bisher dachte.