Über Weihnachten und den Jahreswechsel ist so Vieles so irrsinnig und sinnlos. Da muss man manchmal einfach raus. Und nirgends ist man so sehr draußen wie mitten im Winter mitten in den Bergen. Also haben meine Schwester, ich, Johannes Plattner und seine Kamera die Rucksäcke gepackt und sind aufgebrochen. Von Obernberg aus nach Schmurz, mitten in die Berge. Auf der Alm gibt es natürlich keinen Strom und kein Wasser. Aber dafür einen herrlichen kleinen Ofen, Feuerholz und eimerweise Schnee, den wir damit geschmolzen haben. Zwei Nächte lang hatten wir nur Ruhe, diese einzigartige Landschaft und entzückende Begegnungen: Mit Gemsen, 8 Schneehühnern und einem Schneehasen.
Aber ich lasse am besten einfach die Bilder sprechen:

Beim Aufstieg von Obernberg: sonnig aber eiskalt.

Die Aussicht ist dafür vom Feinsten.

Caro im Vergnügen – auf der Abfahrt zur Hütte.

Und das ist unser Juwel in den Bergen, das jetzt sofort eingeheizt wird…

Am ersten Morgen – der Ausblick vom Hüttenfenster. Na gut, wir gestehen: Nur Johannes war da schon wach.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die haben nichts mit unserer täglichen Arbeit, unserem Broterwerb oder unserer Stellung in der Gesellschaft zu tun. Das ist die eine klare Botschaft, die wir Murakamis herrlich unaufdringlichem Roman entnehmen können.
Wenn Karl klettert, ist der Berg klein. Dann ist er gerade so groß wie der nächste Griff, der er sucht. Er steht mit einer Zehe auf einer Kante im Kalk, so breit wie ein Grashalm . Seine Wade verkrampft immer mehr. Im Kopf singt die Angst, dass die Kante rausbricht, weil der Kalk teuflisch bröckelt. Der letzte Haken steckt fünf Meter unter ihm und lacht ihn aus. Ganz nah vor sich sieht Karl nur grau. So sieht der Berg aus: ein graues Quadrat, glatt. Je höher Karl über dem Haken ist, umso glatter. Manchmal krabbelt eine Spinne durchs Bild. Karl hasst diese Spinnen, die nicht nach dem nächsten Griff suchen müssen, aus Neid. Über das winzige „Schusternagele“, das mitten im Fels wächst, muss Karl fast lachen. Ein blauer Punkt im grauen Quadrat, er kann sich nicht erklären, woran es sich festhält. Er lacht auch nicht, dann würde er fallen. Fünf Meter plus fünf (wenn der Haken hält) plus die Seildehnung und am Ende klatscht er gegen den Fels. Das gäbe einen roten Fleck im Quadrat. Stattdessen starrt er weiter ins Graue, sucht Griffe. Er sieht nur die, die groß genug sein könnten, zumindest für zwei Finger. Aber wenn die Augen Hoffnung schöpfen, merkt die Hand gleich: „Gar nicht dran zu denken. Vergiss es.“ Also macht er die Augen zu und lässt die Hand alleine suchen. So sieht der Berg aus: Warm, rau, mit Schüppchen wie Messerklingen, Knubbeln wie Perlen, Löchern wie Pistazienschalen – schön und klein.